Lincán Ray – Mendoza

21.03.2019

Es geht weiter nach Süden. Obwohl das Wetter schon recht herbstlich ist, hoffen wir noch auf schöne Tage in den jetzt oft regnerischen und kühlen Südchile. Auf der Landstraße erreichen wir Los Lagos, von wo wir über die Autobahn nach Osorno weiterfahren.

Die Auswahl an Straßen nach Süden ist in Chile aufgrund der Anden und der Schmalheit des Landes sehr eingeschränkt. Ebenso empfinden wir immer wieder die Straßen als sehr eng, obwohl sie eine normale Breite haben. Das kommt vielleicht daher, weil sie sehr häufig mit Hecken, Büschen und Zäunen eng gesäumt sind, im Gegensatz zu Argentinien, wo in der Regel links und rechts noch mindestens 10 m Breite vorhanden ist.

Am Nachmittag erreichen wir den Largo Puyehue, von dem wir allerdings kaum etwas sehen, weil natürlich alles privat ist und zugewachsen ist. Das ist leider in Südamerika üblich. Freien Zugang zu Wald und Wasser gibt es hier sehr, sehr selten. Dennoch finden wir ein kleines Plätzchen am Zufluß des Sees und verbrinden dort die Nacht. Auch hier schaut mal am Abend ein PKW vorbei, um zusehen wer sich hier etabliert hat.

22.03.2019

Angeben sind hier in der Nähe Thermen. Also machen wir uns auf den Weg zu den Termas Aguas Calientes. (Thermen mit warmem Wasser). Leider müssen wir feststellen, daß das Hallenbad gerade renoviert wird und daß das Außenbad nur eine Temperatur von 38°C hat, was uns bei der Jahreszeit zu wenig ist. So fahren wir noch weiter hinauf zu dem Vulkan Casablanca, von dem wir aber leider, wegen der starken Bewölkung nicht sehen. Dafür ist die Strecke sehr schön.

Typischer Regenurwald mit verschiedensten Wasserfällen, großen Farnen, alten Bäumen, Blumen und stillen, spiegelglatten Seen. Eine Welt wie im Märchen.

In der jetzigen Jahreszeit ist hier eine relative Ruhe, am Ende der Straße beginnt ein Skigebiet, so wird es hier im Winter etwas  anders aussehen mit den Besuchern.

Durch den Nationalpark Puyehue gelangen wir zum Paß Cardenal Antonio Samoré. Die ersten Gerippe der verbrannten Bäume bilden eine gespenstige Kulisse an unseren Weg. Dann überqueren wir die Grenze zu Argentinien. Hier setzt sich der Nationalpark fort. Die Landschaft ist herrlich, jedoch immer noch stark gezeichnet von dem Ausbruch des Puyehue im Jahre 2011. Wobei wir feststellen konnten, daß der grobe Bimskies, der nach dem Ausbruch die Landschaft stark bedeckt hatte, sich verringert hat und auch zerbröselt ist.

Wir durchfahren die stark bewaldete Seenlandschaft nördlich von Bariloche. In dieser gebirgigen Landschaft sind die Ufer sehr steil abfallend, deshalb ist ein Zugang zu den Seen nicht möglich, so können wir nur von der Straße aus die Landschaft bewundern. Dennoch finden wir am Lago Villarino, der sich neben dem Largo Falkner befindet einen schönen Platz zum Übernachten.

23.03.2019

Während des Frühstücks weiden plötzlich eine Herde Schafe vor uns, die, so schnell wie sie auftauchten, auch wieder verschwinden.

Wir bleiben in der bezaubernden Landschaft, die uns vielfach an Schweden oder Österreich erinnert. Über San Martin de Los Andes, Junin de Los Andes fahren wir zum Paß Mamuil Malal. Auf dem Weg grüßt uns schon von Ferne der Vulkan Puyehue. Diese vulkanische Landschaft ist häufig daran zu erkennen, daß nur noch Reste der Vulkanschlote zusehen sind, die dann nur noch die einstige Größe des Vulkans erahnen lassen.

Wir überqueren die Grenze nach Chile. Durch den Nationalpark Villarrica, der mit seinem Baumbestand dem Nationalpark Puyehue gleicht, geht es nun wieder einmal zum Thermalbad Trancura.

24.03.2019

Einen Tag verbringen wir mal wieder im Thermalbad. Schon in der Frühe versammeln sich die Schweine, um die Reste der Restaurantküche zu ergattern. Friedlich geht es dabei auch nicht immer zu.

25.03.2019

Unsere Fahrt führt uns heute wieder zurück nach Argentinien, wo wir über Zapala in Richtung Chos Malal weiter nach Norden am Fuße der Anden fahren. Die Landschaft wechselt von massiven, bizarren Gebirgsregionen zu sanften, welligen Hügeln.

Auf der Suche nach einem Plätzchen für die Nacht, gelangen wir zu einem aufgegeben Haus, das uns gleichzeitig die Gelegenheit bietet, das innere derselben zu besichtigen. Von der Elektrifizierung, die mittels Solarpanelen erfolgte, die wir oft schon gesehen hatten, war natürlich nicht viel mehr übrig. Die Verkabelung und der demontierte Elektroherd geben davon noch ein erkennbares Zeugnis.

26.03.2019

Zum Tanken fahren wir nach Chos Malal rein. Als wir die Tankstelle finden, war gar nicht so einfach, sehen wir die lange Schlange davor. Nun, eine Stunde zu warten, dazu hatten wir keine Lust. So fahren wir weiter.

Im nächsten größeren Ort suchen wir wieder, werden aber nicht fündig. Wir fragen nach und wir werden zum nächsten Ort verwiesen.

Dort angekommen suchen wir erneut. Da wir auch hier nach längerem Suchen keine Tankstelle finden, fragen wir. Etwas außerhalb des Ortes sei eine Tankstelle, versichert man uns. Also weiter. Nach ca. 2 Km finden wir auch eine Tankstelle. Doch diese ist verschlossen. Mittagspause? Jetzt um 14:30 Uhr? Ein Ukrainer gesellt sich zu uns, der ebenfalls tanken will. Ja, er hätte schon beim nahen Polizeiposten nachgefragt und die hätten ihm versichert, die Tankstelle sei geöffnet, er solle nur kräftig klopfen. Das tun wir, doch niemand rührte sich. Ja, Argentinien schläft halt bis 17:00 Uhr, da kann man nichts machen. So fahren wir weiter, notfalls haben wir noch unsere Reservetanks, die wir später in Chile einfüllen, ehe wir dort unseren Tank komplett füllen lassen.

Auf dem Wege fahren wir oft an den Resten von Vulkanen vorbei, wo lediglich noch die Schlotreste stehen. Dann hört die Asphaltstraße plötzlich auf und es gibt 40 km Staubstraße mehr oder weniger gut. Von Ripo bis glattem Sand, alles, aber vor allen Dingen sehr, sehr staubig.

Auch 40 km gehen einmal vorbei und wir hoffen auf eine bessere Fahrbahn, wie in der Karte dargestellt. Doch leider werden wir enttäuscht. Ein Hinweisschild erläutert, die Straße befindet sich in Rekonstruktion. Wann, wie lange, wo, darüber erfährt man natürlich nichts. Gut möglich ist auch, daß das Schild schon einige Jahre steht.

Uns ist erinnerlich, das es hier einmal eine asphaltierte Straße gab, zwar mit vielen löchern, aber asphaltiert. Wir überqueren den Rio Grande, der sich schmal durch das schwarze Vulkangestein zwängt.  Später breitet er sich in einem weiten Tal mächtig aus. Dann empfängt uns eine nagelneue Straße, das führt zu entspannendem Fahren.

Bei Bardas Blanca verlassen wir die Ruta 40 und biegen wir in Richtung Westen, zum Paß Pehuenche ab.

Am Horizont kommt plötzlich eine schwarze Front auf der Straße auf uns zu. Von Ferne ist noch nicht genau auszumachen was es ist. Ein Heer kann es nicht sein, aber der Eindruck ist ähnlich. Beim Näherkommen erkennen wir eine riesige Ziegenherde, die ins Tal getrieben wird. Almabtrieb, würde man bei uns sagen. Es dauert ein Weilchen bis der Weg für uns frei wird.

Am Abend erreichen wir die Grenzstation Las Loicas, doch es ist schon nach 18:00 Uhr und die Grenze ist geschlossen. So verbringen wir am nahegelegen Fluß die Nacht.

25.03.2019 

Jetzt bewegen wir uns wieder auf einen Paß zu. Das Licht am Morgen ist wunderbar und vermittelt einen wunderbaren Eindruck der Bergwelt. Nach jeder Biegung wieder anders.

Dann überqueren wir die Grenze zu Chile erneut. Der Herbst grüßt uns überall, wo es Pflanzen gibt. Auch hier treffen wir auf einem Almabtrieb, der die ganze Straßenbreite einnimmt. Weiter unten werden die Hochspannungsleitungen, die hier recht neu aussehen, von einem Hubschrauber überprüft.

Ab Talca fahren wir auf der Autobahn in Richtung Santiago. Vor Santiago wird der Verkehr immer dichter und schneller. So erreichen wir Santiago zum vollen Berufsverkehr und fädeln uns ein in die Schlange, die sich mit einer Geschwindigkeit von teilweise 110 km über die Stadtautobahn durch die Stadt schlängelt. Erst kurz vor Los Andes, finden wir, schon in der Dunkelheit, abseits der Hauptstraße ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten.

26.03.2019

Schon fahren wir weiter, denn heute wollen wir über den Paß Los Libertadores nach Argentinien. Auf dem Weg treffen wir, wie auch oft in Deutschland auf das sogenannte Elefantenrennen. Wir hatten es gestern häufig auf der Autobahn.

Dieser Paß ist die Hauptverbindung zwischen den beiden Ländern: Santiago – Mendoza ca. 3.500 m hoch, der obere Teil führt dann durch einen Tunnel wobei der Tunnelausgang sich schon in Argentinien befindet. Cicero muß zweimal Verschnaufen, aber nur weil er offensichtlich zuwenig Kühlwasser hat, muß er irgendwo verbraucht haben. Danach läuft er die Serpentinen anstandslos hinauf.

Vorbei geht es an der Schule für Gebirgsjäger und an den Hotelgebäuden, denn gleichzeitig ist hier ein stark frequentiertes Skigebiet im Winter.

Nach der gemeinsamen Grenzabfertigung auf der argentinischen Seite, die sehr freundlich verlief, machen wir einen Stop an der Brücke der Inka, einer einzigartigen Felsformation, die ein Gebirgsbach geschaffen hat.

Danach geht es am Fluß talabwärts abwärts, teilweise durch Tunnel  in Richtung Mendoza. In der Landschaft wirken die Reste der ehemaligen Eisenbahn, die teils frisch gestrichenen Brücken, wie verlorenes Spielzeug. Der Fluß schneidet sich immer tiefer in das Gelände ein, so daß sich eine steile Wand von mindestens 20 m Höhe ergibt, ehe sich das Tal weitet und die ersten grünen Bäume das gesamte Bild beleben.

Auf dem Weg passieren wir eine sehr große Stätte, die an Difunta Caorrea erinnert, der man hier Wasser spendet, weil sie bei ihrer Suche 1841 nach ihrem vermißten Mann in der Wüste von San Juan verdurstete. Ihr Kind, welches sie noch stillte, wurde gerettet, als sie gefunden wurde. Derartige Stellen gibt es in ganz Argentinien, allerdings nicht in diesem Ausmaß.

Die Straße schlängelt sich weiter ins Tal, durchquert mehrere Tunnel, ehe sie am übervollen Stausee Potrerillos, einem Naherholungsgebiet von Mendoza, sich der Stadt Mendoza zuwendet.

 27.03. – 02.04.2019

Die nächsten Tage verbringen wir auf dem schönen Campingplatz Suiza in Mendoza. Es wird auch Zeit, die liegengelassene Arbeit an diesem Block weiterzuführen, da hier ein halbwegsvernünftiges Internet zur Verfügung steht.

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